Die Geschichte des Feuerlöschers: Ein Gerät schreibt Geschichte

Ratgeber · Geschichte

Die Geschichte des Feuerlöschers
ein Gerät schreibt Geschichte

Was heute als roter Zylinder an der Wand hängt, hat eine über 300-jährige Geschichte voller Erfindungen, Katastrophen und Innovationen. Die Entwicklung des Feuerlöschers ist ein faszinierendes Kapitel der Technikgeschichte.

📅 Aktualisiert: Mai 2026
Der Feuerlöscher in Zahlen
1723
Erste Patentierung durch Ambrose Godfrey in England
1818
Erster moderner Feuerlöscher von George Manby
300+
Jahre Entwicklungsgeschichte von Wasser bis fluorfreiem Schaum
2026
EU-Fluorverbot – neues Kapitel der Löscher-Geschichte beginnt
Die wichtigsten Meilensteine
Antike

Roms erste Feuerwehr und primitive Pumpen

Die Römer waren die ersten die Brandbekämpfung organisierten. Kaiser Augustus gründete im Jahr 6 n. Chr. die erste professionelle Feuerwehr – die „Vigiles“ mit rund 7.000 Mann. Sie nutzten Ledereimer, Hanfdecken zum Ersticken und frühe Druckpumpen („Sipho“) um Wasser auf Brände zu richten. Die Grundprinzipien – Kühlen, Ersticken, Unterbrechen – sind bis heute gültig.

Antike Brandbekämpfung
1666

Der Grosse Brand von London – Katalysator der Innovation

Das „Great Fire of London“ vernichtet über 13.000 Häuser und prägt ganz Europa. Die Katastrophe zeigt dramatisch: Wasser allein und Eimerketten reichen nicht. In den Jahrzehnten danach entsteht ein Wettlauf um bessere Löschgeräte. Versicherungsgesellschaften beginnen eigene Feuerwehren zu finanzieren – ein neues Zeitalter der Brandbekämpfung beginnt.

Historisches Ereignis
1723

Erste Patentierung: Ambrose Godfreys Löschapparat

Der englische Chemiker Ambrose Godfrey patentiert den ersten dokumentierten Feuerlöschapparat. Das Gerät besteht aus einem Fass mit Löschflüssigkeit und einer Kammerladung aus Schießpulver – die Explosion verteilt die Flüssigkeit über das Feuer. Primitiv nach heutigen Maßstäben, aber revolutionär: erstmals wird chemische Reaktion zur Brandbekämpfung genutzt.

Erste Patentierung
1818

George Manby erfindet den ersten modernen Feuerlöscher

Der britische Offizier George William Manby entwickelt den ersten Feuerlöscher in einer Form die wir heute erkennen würden: ein kupferner Behälter mit komprimiertem Druck und Kaliumcarbonat als Löschmittel. Er fasst etwa 13 Liter und kann von einer Person getragen werden. Inspiration: Manby beobachtet hilflos wie Feuerwehrleute einen Hausbrand nicht löschen können weil die Leitern nicht hoch genug reichen.

Schlüsselerfindung
1866

Soda-Säure-Löscher: Die erste Massenproduktion

Francois Carlier aus Frankreich entwickelt den „Soda-Säure-Löscher“ – das erste Modell das in grossem Massstab produziert wird. Schwefelsäure und Natriumbicarbonat reagieren und erzeugen CO2-Druck der das Wasser herausdrückt. Dieses Prinzip wird über 60 Jahre das dominierende Konzept weltweit. In Deutschland beginnen erste Hersteller diese Löscher zu produzieren.

Massenproduktion
1904

Schaum-Feuerlöscher: Alexander Laurent macht die Revolution

Der russische Ingenieur Alexander Laurent erfindet den Schaum-Feuerlöscher – ein Meilenstein der bis heute relevant ist. Schaum ist besonders wirksam bei Benzin- und Ölbränden weil er die Sauerstoffzufuhr unterbricht. Diese Erfindung kommt gerade rechtzeitig: Die aufkommende Automobil- und Erdölindustrie schafft neue Brandgefahren die mit Wasser nicht zu bewältigen sind.

Schaumtechnologie
1910–1920

CO2-Löscher und Pulverlöscher entstehen

Die Periode des Ersten Weltkriegs treibt technische Innovation massiv voran. CO2-Löscher werden entwickelt – besonders wertvoll für elektrische Anlagen und empfindliche Maschinen. Gleichzeitig entstehen die ersten Trockenpulver-Löscher. Beide Technologien sind noch im Einsatz. In Deutschland entstehen erste nationale Normen für Feuerlöscherausrüstung.

Neue Technologien
1950er

Deutschland: Normierung und Standardisierung

In der Nachkriegszeit wird Brandschutz zum Thema gesellschaftlicher Verantwortung. Die ersten deutschen DIN-Normen für Feuerlöscher entstehen. Das charakteristische „Feuerrot“ wird als Standardfarbe festgelegt – bis dahin gab es Löscher in allen Farben. Erste gesetzliche Vorschriften für Betriebe machen den Feuerlöscher zur Pflichtausstattung.

Deutschland
1970er–1980er

ABC-Pulverlöscher und neue Brandklassen

Die wachsende Komplexität moderner Brände erfordert neue Klassifizierungen. Die europäischen Brandklassen A, B, C (und später D und F) werden eingeführt. ABC-Pulverlöscher die alle drei Hauptklassen abdecken werden zum Industriestandard. Das Bewusstsein für Brandschutz wächst – Rauchmelder kommen in Privathaushalte.

Europäische Normierung
1996

DIN EN 3: Europäische Vereinheitlichung

Die europäische Norm DIN EN 3 tritt in Kraft und vereinheitlicht Feuerlöscher-Standards in der EU. Erstmals gelten einheitliche Anforderungen für Löschleistung, Kennzeichnung und Prüfung. Das CE-Zeichen wird verpflichtend. Verbraucher können seither sicher sein: CE + DIN EN 3 = geprüfte Sicherheit.

EU-Norm
2000er

Fettbrandlöscher (Klasse F) wird Pflicht

Mit der wachsenden Verbreitung von Fritteusen in Gastronomie und Haushalt wird eine neue Brandklasse notwendig: Klasse F für Speisefette. Normale Löscher waren bei Fettbränden nicht nur unwirksam sondern gefährlich. Speziell entwickelte ABF-Löscher mit angepassten Schaummitteln werden als neue Kategorie eingeführt und schnell unverzichtbar.

Neue Brandklasse F
2020er

PFAS-Verbot und fluorfreie Löscher

Die EU erkennt dass viele Schaummittel PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) enthalten – Chemikalien die in der Umwelt praktisch nicht abbaubar sind. Ab Oktober 2026 dürfen fluorhaltige Löschmittel in der EU nicht mehr verkauft werden. Hersteller wie ANDRIS und Gloria bringen fluorfreie Alternativen auf den Markt die genauso effektiv sind. Ein neues Kapitel der Löscher-Geschichte beginnt.

Aktuell 2026
Von der Geschichte zur Gegenwart: Was Ambrose Godfrey 1723 mit Schiesspulver und Wasser begann, ist heute ein hochspezialisiertes Sicherheitsprodukt in zahlreichen Varianten. Fluorfreie Schaumlöscher, CO2-Löscher und Fettbrandlöscher haben jeweils ihre eigene Geschichte. Welcher ist der richtige fuer dich?
FAQ zur Geschichte des Feuerloeschers
Als Erfinder des modernen Feuerloeschers gilt der britische Offizier George William Manby, der 1818 den ersten tragbaren Druckbehaelter mit Loeschmittel entwickelte. Die erste Patentierung geht zurueck auf den Chemiker Ambrose Godfrey im Jahr 1723 – sein Geraet funktionierte aber noch mit Schiesspulver-Explosion statt Druckgas.
Das Feuerrot wurde in den 1950er Jahren in Deutschland und Europa als Standard festgelegt – zuvor gab es Loescher in verschiedenen Farben. Rot steht fuer Gefahr und Dringlichkeit und macht den Loescher sofort erkennbar. In Grossbritannien wurden Feuerloescher sogar bis 1997 vollstaendig rot lackiert, danach galt eine neue Norm mit rotem Aufkleber auf beliebigem Hintergrund. Design-Loescher wie Nordic Flame zeigen: die rote Pflicht gibt es fuer Privathaushalte nicht.
Ab Oktober 2026 duerfen in der EU keine Feuerloescher mehr mit fluorhaltigen Schaummitteln (PFAS) verkauft werden. Diese Chemikalien sind in der Umwelt kaum abbaubar. Fluorfreie Alternativen sind bereits erhaeltlich und genauso effektiv. Wer jetzt einen neuen Loescher kauft, sollte auf fluorfreie Modelle achten – sie sind die Zukunft und ab 2026 ohnehin Pflicht.
Enorm. Godfreys Geraet von 1723 konnte vielleicht einen kleinen Brandherd bewaeltigen. Manbys Kupferbehaelter von 1818 fasste 13 Liter. Heutige Schaumloescher mit 6 Litern erreichen Loeschklassen von 34A 233B – das entspricht der Faehigkeit einen Benzin-Brandherd von 2,33 Quadratmetern zu loeschen. Die Effizienz pro Liter Loeschmittel hat sich in 300 Jahren um ein Vielfaches gesteigert.